Anhang 3
Die Quellen. Prüf auch mich.
Zu jeder Studie, die im Buch eine Behauptung trägt: was sie misst, was sie nicht misst, und wo sie missverstanden wird. Die vollständigen Fundstellen stehen in Anhang 3.
„Die Fundstellen führen zum Original, nicht zu einer Meldung darüber – aus einer soliden Studie wird selten durch Fälschung eine falsche Zahl, meist durch die Kette aus Pressemitteilung, Zusammenfassung und Zitat des Zitats.“ – S. 319
Kapitel 2 · Das Gedächtnis, das keines ist
Lost in the Middle
Nelson F. Liu, Kevin Lin, John Hewitt u. a., Transactions of the ACL 12 (2024), S. 157–173; Preprint 2023. Zum Original ↗
- Im Buch
- Bei zwanzig Dokumenten fand das Modell die entscheidende Stelle zu 75,8 Prozent, wenn sie vorn stand, zu 53,8 Prozent in der Mitte, zu 63,2 Prozent am Ende – und zu 56,1 Prozent ganz ohne Dokument (S. 38 und Anhang 3).
- Was sie misst
- Wie zuverlässig Sprachmodelle eine Information verwenden, je nachdem, an welcher Stelle eines langen Textes sie steht – mit Frage-Antwort-Aufgaben über viele Dokumente und mit einfachen Nachschlage-Aufgaben.
- Was nicht
- Wie sich die Modelle von heute verhalten; getestet wurden die Modelle des Jahres 2023. Auch nicht, wie gut ein Modell einen Text versteht, den es ganz durcharbeiten soll.
- Missverstanden
- Als Naturgesetz: „Die Mitte geht immer verloren.“ Gemessen ist eine Neigung, deren Stärke von Modell und Aufgabe abhängt. Die Lehre bleibt trotzdem: Das Wichtige gehört an den Anfang oder ans Ende, und ein langes Gespräch beginnt man mit einer Übergabe neu.
Kapitel 4 · Die gezackte Grenze
Navigating the Jagged Technological Frontier
Fabrizio Dell’Acqua, Edward McFowland III, Ethan Mollick u. a., Organization Science 37 (2026), S. 403–423; zuerst Harvard Business School Working Paper 24-013 (2023). Zum Original ↗
- Im Buch
- 758 Berater der Boston Consulting Group. Innerhalb der Grenze rund ein Viertel schneller, gut zwölf Prozent mehr Aufgaben, über ein Drittel bessere Qualität; bei der Aufgabe knapp außerhalb neunzehn Prozentpunkte seltener richtig (S. 51).
- Was sie misst
- Ein Feldexperiment mit realistischen Beratungsaufgaben: Gruppen mit und ohne KI, Aufgaben innerhalb dessen, was das Modell konnte – und eine gezielt knapp außerhalb.
- Was nicht
- Andere Berufe, die Modelle von heute, die Wirkung über Monate im echten Arbeitsalltag.
- Missverstanden
- Als „KI macht Berater besser“. Das gilt nur innerhalb der Grenze; außerhalb wurden sie mit KI schlechter, weil die Antworten plausibel klangen. Im Buch steht die vorsichtigere Zahl der begutachteten Fassung, nicht die oft zitierte des Arbeitspapiers.
Kapitel 5 · Reden mit der Maschine
Produktivität beim Schreiben
Shakked Noy, Whitney Zhang, Science 381 (2023), Heft 6654, S. 187–192. Zum Original ↗
- Im Buch
- 453 Berufstätige, Schreibaufgaben, die Hälfte mit KI: vierzig Prozent weniger Zeit, achtzehn Prozent bessere Qualität (S. 60).
- Was sie misst
- Kurze, berufstypische Schreibaufgaben in einem Online-Experiment, mit und ohne ChatGPT: die benötigte Zeit und die Bewertung der Texte durch Fachleute.
- Was nicht
- Lange, verzweigte Arbeit; ob die Texte im Betrieb fachlich stimmen; was nach Wochen und Monaten davon bleibt.
- Missverstanden
- Als „vierzig Prozent schneller“. Vierzig Prozent weniger Zeit ist nicht dasselbe: Wer für dieselbe Aufgabe sechzig statt hundert Minuten braucht, schafft in derselben Zeit gut zwei Drittel mehr.
Kapitel 6 · Mehr als Text
Ideen von Menschen und von der Maschine
Lennart Meincke, Karan Girotra, Gideon Nave, Christian Terwiesch, Karl T. Ulrich, Wharton School Research Paper, SSRN 4526071 (2023/2024) – zunächst als Arbeitspapier erschienen. Zum Original ↗
- Im Buch
- Vierhundert Produktideen blind bewertet, zweihundert von Elitestudenten, zweihundert von einer KI. Unter den vierzig besten: fünfunddreißig von der Maschine (S. 66).
- Was sie misst
- Wie Produktideen abschneiden, wenn niemand weiß, ob sie von Menschen oder von der Maschine stammen.
- Was nicht
- Ob die Ideen am Markt funktionieren, wer sie umsetzt, und ob sie wirklich neu sind oder nur gut gemacht.
- Missverstanden
- Als „KI ist kreativer als der Mensch“. Das Buch sagt es selbst: Sie legt in Minuten vierzig Varianten hin, aus denen einer mit Urteil die zwei guten nimmt.
Kapitel 7 · Was kostet das?
29th Annual Global CEO Survey
PwC, veröffentlicht am 19. Januar 2026; 4.454 Vorstandsvorsitzende aus 95 Ländern, befragt vom 30. September bis 10. November 2025.
- Im Buch
- 56 Prozent sehen aus ihren KI-Investitionen bisher keinen nennenswerten finanziellen Ertrag, nur 12 Prozent sowohl höhere Umsätze als auch niedrigere Kosten (S. 74).
- Was sie misst
- Wie Vorstandsvorsitzende den Ertrag ihrer KI-Investitionen einschätzen – eine Befragung.
- Was nicht
- Den Ertrag selbst, wie er in den Büchern steht; was in einzelnen Abteilungen passiert; was nach der Befragung kam.
- Missverstanden
- Als „KI lohnt sich nicht“. Gemessen ist, dass die Mehrheit den Ertrag bisher nicht sieht. Das Buch liest es anders: Bezahlt wird Bedienkompetenz, gerechnet wird zu selten pro Aufgabe.
Kapitel 7 · Was kostet das?
Closing the AI workforce gap in financial services
PwC, August 2026; 1.004 Führungskräfte amerikanischer Finanzunternehmen, Direktorenebene und darüber, befragt im Mai 2026.
- Im Buch
- 91 Prozent erhöhen die Vergütung für Mitarbeiter mit KI-Kompetenz (S. 74).
- Was sie misst
- Was Führungskräfte einer Branche in einem Land über ihre Vergütung sagen.
- Was nicht
- Was die so bezahlten Mitarbeiter können, und wie es in anderen Branchen oder in Deutschland aussieht.
- Missverstanden
- Allein gelesen, als Beweis, dass KI-Kompetenz sich auszahlt. Das Buch liest diese Zahl bewusst zusammen mit der Befragung der Vorstandschefs – zwei Zahlen, die zusammengehören und nie zusammen zitiert werden.
Kapitel 8 · Der Praktikant mit Doktortitel
Generative AI at Work
Erik Brynjolfsson, Danielle Li, Lindsey R. Raymond, The Quarterly Journal of Economics 140 (2025), S. 889–942; zuerst NBER Working Paper 31161 (2023). Zum Original ↗
- Im Buch
- Über fünftausend Kundendienst-Mitarbeiter: im Schnitt rund fünfzehn Prozent mehr gelöste Anfragen je Stunde, bei den Erfahrensten kaum, bei den Unerfahrensten rund dreißig (S. 83).
- Was sie misst
- Was ein KI-Assistent, der im Kundendienst-Chat eines Softwareunternehmens Antworten vorschlägt, an der Arbeit verändert – über die schrittweise Einführung im echten Betrieb.
- Was nicht
- Berufe ohne wiederkehrende Gesprächsmuster; was mit Kundenbeziehungen über Jahre geschieht.
- Missverstanden
- Als „KI macht alle produktiver“. Der Gewinn liegt fast ganz bei den Neuen: Mit zwei Monaten Erfahrung und KI arbeiteten sie so gut wie andere nach über sechs Monaten ohne.
Kapitel 12 · Wann KI. Und wann Intuition.
Conditions for Intuitive Expertise
Daniel Kahneman, Gary Klein, American Psychologist 64 (2009), Heft 6, S. 515–526. Zum Original ↗
- Im Buch
- Eine der Quellen zu Kapitel 12, dem Kapitel, das dem Buch den Namen gibt (Anhang 3).
- Was sie misst
- Nichts im Labor. Es ist ein gemeinsamer Fachartikel zweier Forscher, die lange gegensätzlich gedacht hatten, über die Bedingungen, unter denen Intuition verlässlich ist.
- Was nicht
- Ob Intuition grundsätzlich gut oder schlecht ist – genau diese Frage halten beide für falsch gestellt.
- Missverstanden
- Als Urteil für oder gegen das Bauchgefühl. Der Untertitel sagt es: „A Failure to Disagree“ – sie konnten sich nicht uneinig werden. Verlässlich wird Intuition dort, wo die Umgebung regelmäßig genug ist und man lange genug mit schneller Rückmeldung geübt hat.
Kapitel 12 · Wann KI. Und wann Intuition.
A Leader’s Framework for Decision Making
David J. Snowden, Mary E. Boone, Harvard Business Review, November 2007 – das Cynefin-Modell.
- Im Buch
- Die Unterscheidung kompliziert/komplex ist älter als das Buch; bekannt gemacht hat sie das Cynefin-Modell (Anhang 3).
- Was sie misst
- Nichts. Es ist ein Ordnungsrahmen für Entscheidungen, keine Messung.
- Was nicht
- Wie man eine einzelne Aufgabe einordnet – dafür hat das Buch die Gegenprobe: Könnten zwei kompetente Fachleute bei identischer Faktenlage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen?
- Missverstanden
- Als Stufenleiter der Schwierigkeit, als sei komplex nur ein schwierigeres kompliziert. Der Unterschied ist ein anderer: Beim Komplizierten gibt es eine richtige Lösung, die man finden kann. Beim Komplexen nicht.
Kapitel 14 · Shenzhen
Business Confidence Survey 2025/26
Deutsche Handelskammer in China (AHK Greater China), 2. Dezember 2025; 627 Mitgliedsunternehmen, befragt vom 1. September bis 11. Oktober 2025. Zum Original ↗
- Im Buch
- Wissenstransfer von der Zentrale nach China 55 Prozent, zurück in die Zentrale 33 Prozent; 60 Prozent erwarten, dass chinesische Unternehmen die Innovation anführen.
- Was sie misst
- Einschätzungen deutscher Unternehmen, die in China tätig sind.
- Was nicht
- Unternehmen, die nicht in China sind – und keine harten Innovationszahlen.
- Missverstanden
- Die 60 Prozent als Messung. Es ist eine Erwartung der Befragten, allerdings eine von Leuten, die vor Ort sind.
Kapitel 15 · Eine halbe Stunde von hier
World Robotics 2025 – Industrial Robots
International Federation of Robotics, Pressemeldungen vom 8. April 2026 und „Global robot demand in factories doubles over 10 years“. Zum Original ↗
- Im Buch
- 2024 kamen auf zehntausend Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 449 Industrieroboter, in China 166, weltweit 132. Neu in Betrieb gingen in China 295.000, in Deutschland 26.982 – elf zu eins (S. 204).
- Was sie misst
- Industrieroboter je zehntausend Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe (Dichte) und neu aufgestellte Roboter je Jahr (Installationen).
- Was nicht
- Serviceroboter, Humanoide, kleine Betriebe – und nicht, wie gut die Roboter genutzt werden.
- Missverstanden
- Dichte als Tempo. Die Dichte sagt, was steht; die Installationen sagen, was dazukommt. Und wer andere Ausgaben zitiert, findet für China höhere Dichtewerte: Das Buch rechnet für China mit aktualisierten Arbeitsmarktdaten, also mit einer anderen Zahl von Beschäftigten im Nenner.
Kapitel 15 und 19
Industrie 4.0: Roboter und 3D-Drucker
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 180 vom 12. April 2021, Erhebungsjahr 2020, Unternehmen ab zehn Beschäftigten.
- Im Buch
- Drei von hundert Betrieben mit zehn bis neunundvierzig Beschäftigten setzen überhaupt einen Roboter ein (S. 266).
- Was sie misst
- Den Anteil der Unternehmen, die Industrie- oder Serviceroboter einsetzen, nach Größenklassen.
- Was nicht
- Den Stand von heute. Es ist die jüngste Erhebung des Amtes mit dieser Aufteilung nach Größenklassen – deshalb steht sie im Buch, und deshalb ist sie alt.
- Missverstanden
- Als aktuelle Zahl. Die Richtung trägt; die genaue Höhe ist die von 2020.
Kapitel 15 · Eine halbe Stunde von hier
Industrieproduktion China, Januar bis Juli 2026
Nationales Statistikamt der Volksrepublik China, Monatsdaten; Industrieunternehmen oberhalb einer Umsatzschwelle.
- Im Buch
- Rund 635.000 produzierte Industrieroboter, 28,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (S. 204).
- Was sie misst
- Wie viele Industrieroboter in China hergestellt wurden.
- Was nicht
- Wie viele davon in China aufgestellt wurden.
- Missverstanden
- Als Zahl neu installierter Roboter. Anhang 3 sagt es ausdrücklich: eine Produktionszahl, nicht neu installierte Einheiten.
Kapitel 19 · Treffen sich vier Revolutionen
Erstmals nutzt Mehrheit der Unternehmen KI
Bitkom, Presseinformation vom 14. September 2026; 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.
- Im Buch
- 57 Prozent der Unternehmen ab zwanzig Beschäftigten setzen KI ein; Agenten nutzen elf Prozent, weitere neunundzwanzig planen es (S. 267).
- Was sie misst
- Die Selbstauskunft von Unternehmen ab zwanzig Beschäftigten.
- Was nicht
- Die kleinsten Betriebe – und nicht, wie tief die Nutzung geht.
- Missverstanden
- Als „die Mehrheit der Unternehmen“. Es ist die Mehrheit ab zwanzig Beschäftigten. Wer die kleinsten mitzählt, landet bei der KfW: zwanzig Prozent im Mittelstand.
Kapitel 19 · Treffen sich vier Revolutionen
KfW-Mittelstandspanel
KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, 29. Juli 2026, Jahre 2022 bis 2024.
- Im Buch
- Die KfW, die auch die kleinsten Betriebe mitzählt, kommt im Mittelstand auf zwanzig Prozent (S. 267).
- Was sie misst
- KI-Nutzung im Mittelstand einschließlich der kleinsten Betriebe, über die Jahre 2022 bis 2024.
- Was nicht
- Was seit 2025 dazugekommen ist.
- Missverstanden
- Als Widerspruch zu Bitkom. Beide Zahlen stimmen; sie zählen verschiedene Betriebe. Zwischen ihnen, sagt das Buch, liegt der größte Teil der deutschen Wirtschaft.
Kapitel 20 · Was im Wert steigt
Canaries in the Coal Mine?
Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar, Ruyu Chen, Stanford Digital Economy Lab, Aktualisierung vom 12. August 2026. Zum Original ↗
- Im Buch
- In den Berufen, deren Arbeit die KI am ehesten übernehmen kann, liegt die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen inzwischen 19 Prozent unter der ihrer Vergleichsgruppe. Entlassen wurde dafür kaum jemand. Es wurden einfach weniger eingestellt (S. 277).
- Was sie misst
- Die Beschäftigung in den USA aus Lohnabrechnungsdaten, aufgeteilt nach Alter und danach, wie stark ein Beruf von KI berührt wird.
- Was nicht
- Deutschland – und keinen sicheren Beweis der Ursache, auch wenn die Autoren viele andere Erklärungen ausschließen.
- Missverstanden
- Als „KI vernichtet Arbeitsplätze“. Gezeigt wird ein Rückgang bei Berufseinsteigern in Berufen, die KI stark berührt – nicht durch Entlassungen, sondern weil weniger eingestellt wird. Das Buch zieht daraus die unbequeme Frage, wo die nächste Generation das Handwerk lernt.
Kapitel 22 · Die letzte Entscheidung bleibt bei dir
MatrAIx: 8.3 Billion Persona Agents
Xiaomin Li, Yuexing Hao u. a., arXiv:2608.04205, 6. August 2026. Zum Original ↗
- Im Buch
- Für die Rückseite des Buches nachgebaut: 240 simulierte Leser, elf abhängige Merkmale, fester Startwert 20260812, reproduzierbar (S. 289).
- Was sie misst
- Ein Verfahren, große Mengen künstlicher Personen mit zusammenhängenden Merkmalen zu erzeugen.
- Was nicht
- Was echte Menschen denken.
- Missverstanden
- Als Umfrage. Ein simuliertes Panel ist ein Test für eine Vermutung, kein Beweis. Das Buch benutzt es genau so: zwei Fassungen einer Rückseite, vier Prozentpunkte Unterschied – und dann eine Entscheidung.
Wer hat es gesagt?
„Der meistzitierte Satz des Gesprächs – die KI automatisiere uns das Denken unter dem Hintern weg – stammt von Miriam Meckel, nicht von Angela Merkel.“ – S. 326
Angela Merkel im Gespräch mit Miriam Meckel, DIGITAL X, Köln, 8. September 2026; Podcast „Meckel & Mattes“. Alle vier im Buch zitierten Aussagen an der Aufzeichnung geprüft.
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